
BioEconomy Newsletter Dezember
Liebe Leser,
die EU will den Anteil erneuerbarer Kohlenstoffquellen in der Industrie deutlich erhöhen. Doch ausgerechnet die dafür geschaffenen Regularien drohen den industriellen Hochlauf auszubremsen. Die in unserer Top-News zitierte Studie der Renewable Carbon Initiative kommt zum Schluss, dass komplexe Nachhaltigkeitsanforderungen, doppelte Nachweispflichten und uneinheitliche Bewertungsmaßstäbe dazu führen, dass Investitionen verzögert und Prozesse verteuert werden. Statt Planungssicherheit zu schaffen, entsteht für viele Unternehmen zusätzliche Unsicherheit – insbesondere bei der Anrechnung erneuerbarer Kohlenstoffquellen in Produkten und Prozessen.
Diese Problematik trifft auf eine Phase, in der industrielle Umsetzung entscheidend ist. Die Industrie ist bereit, erneuerbaren Kohlenstoff in ihre Wertschöpfungsketten zu integrieren – wenn die regulatorischen Rahmenbedingungen dies ermöglichen. Die EU verfolgt mit ihren Vorgaben das legitime Ziel, Nachhaltigkeit sicherzustellen. Doch wenn Kontrollmechanismen und Berichtspflichten so ausgestaltet sind, dass sie Investitionen verzögern oder Geschäftsmodelle unkalkulierbar machen, wird das Ziel der Defossilisierung konterkariert. Entscheidend ist nun, regulatorische Anforderungen mit industrieller Umsetzbarkeit zu synchronisieren.
Genau das wird auch das umspannende Thema unserer diesjährigen Bioeconomy Conference sein, die unter dem Titel „From Vision to Value: Scaling the Industrial Bioeconomy“ am 17. und 18. Juni in Berlin stattfinden und in den Fokus rücken wird, wie aus ambitionierten Transformationsvorhaben reale Wertschöpfung entstehen kann.
Die industrielle Bioökonomie steht bereit. Technologien werden skaliert, Anlagen gebaut, Netzwerke geplant. Damit erneuerbarer Kohlenstoff tatsächlich in großem Maßstab in die europäische Chemie- und Materialwirtschaft einziehen kann, braucht es neben ehrgeizigen Zielen aber vor allem eines: konsistente, praktikable und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen.
In diesem Sinne: Viel Spaß beim Lesen wünscht
Ihr BioEconomy e.V.!
Top-News: EU-Vorgaben bremsen erneuerbaren Kohlenstoff aus – trotz hoher Klimawirkung
Eine neue Hintergrundstudie der Renewable Carbon Initiative identifiziert 10 konkrete Hürden in sieben EU-Vorgaben – am häufigsten zu eng gefasste Definitionen, die viele erneuerbare Kohlenstoffprodukte vom Marktzugang ausschließen. Weitere Stolpersteine reichen von verwirrenden Klassifizierungen über Investitionsrisiken für CCU (Wiederverwendung von abgeschiedenem Kohlenstoff) und bürokratische Vorgaben bis hin zu ungleichen Nachhaltigkeitsanforderungen gegenüber fossilen Produkten, die allesamt an der industriellen Praxis vorbeigehen. Weiterlesen
Aus unserem BioEconomy-Netzwerk:
MicroHarvest produziert Protein auf Basis von Mikroorganismen künftig in Leuna
Das Biotechnologieunternehmen MicroHarvest errichtet im Chemiepark Leuna eine Anlage zur industriellen Herstellung von Single-Cell-Protein auf Basis von Mikroorganismen. Die Produktion soll durch schnelle Fermentationsprozesse hohe Erträge bei geringem Ressourcenverbrauch ermöglichen und proteinreiche Inhaltsstoffe für Tierfutter- und perspektivisch Lebensmittelanwendungen liefern. Avisierte Jahreskapazität: 15.000 Tonnen. Mit dem Standort Leuna setzt das Unternehmen auf bestehende industrielle Infrastruktur und stärkt die biobasierte Wertschöpfung in der Region. Weiterlesen
Future Forest Initiative fordert Infrastruktur für messbare Naturleistungen
Die Future Forest Initiative plädiert im Whitepaper „Nature Intelligence: Europas Infrastruktur für Regeneration“ für den Aufbau einer europäischen Infrastruktur zur systematischen Erfassung, Bewertung und Standardisierung von Natur- und Ökosystemleistungen. Ziel ist es, Biodiversität, Kohlenstoffspeicherung und weitere Umweltleistungen belastbar messbar zu machen und damit Investitionen in naturbasierte Lösungen zu erleichtern. Eine verlässliche Datengrundlage gilt als Voraussetzung, um ökologische Märkte transparent zu gestalten und Naturleistungen wirtschaftlich integrierbar zu machen. Weiterlesen
Fraunhofer IMWS zählt zu „Innovativsten Unternehmen Deutschlands“
Das Fraunhofer IMWS zählt im aktuellen Ranking von Capital und Statista zu den „Innovativsten Unternehmen Deutschlands 2026“. Bereits im vergangenen Jahr wurde das Institut zudem als „Leading Innovator“ gewürdigt. Erst kürzlich stärkte das IMWS seine Forschungsinfrastruktur zusätzlich durch die Inbetriebnahme hochauflösender Mikroskope, die Materialanalysen bis auf atomarer Ebene ermöglichen und die Entwicklung zukunftsweisender Werkstoffe weiter vorantreiben. Weiterlesen
Aus der Welt der Bioökonomie:
bp will künftig 800.000 Tonnen Biokraftstoff produzieren
Der Mineralölkonzern bp hat mit dem Saatgut- und Agrarchemieunternehmen Corteva das Joint Venture Etlas gegründet, um Pflanzenöle aus Kulturen wie Raps, Senf und Sonnenblume als Rohstoff für SAF und erneuerbaren Diesel bereitzustellen. Die Ölpflanzen sollen als Zwischenfrüchte auf bestehenden Ackerflächen angebaut werden; erste Lieferungen sind für 2027 geplant. Bis Mitte der 2030er Jahre peilt Etlas 1 Million Tonnen Rohstoff pro Jahr an – genug für über 800.000 Tonnen Biokraftstoff. Weiterlesen
Batteriefähiger Graphit aus Waldabfällen
Das schwedische Start-up Nordic Bio-Graphite stellt ultrahochreinen (>99,95 Prozent) synthetischen Graphit aus forstwirtschaftlichen Rückständen her – als Rohstoff für Batterien und grünen Stahl. Statt der konventionellen Graphitherstellung bei rund 3.000 Grad Celsius nutzt das Unternehmen eine katalysatorgestützte Wärmebehandlung mit geringerem Energiebedarf und treibt den Aufbau einer Pilotanlage voran. Die Nachfrage nach Graphit könnte innerhalb der nächsten 25 Jahre von 2,7 auf 6,7 Millionen Tonnen steigen; China dominiert aktuell fast 80 Prozent der Graphitproduktion. Weiterlesen
Elektrolyse-Ausbau hinkt 10-Gigawatt-Ziel hinterher
Der Hochlauf der Wasserstoff-Elektrolysekapazität in Deutschland verläuft laut einer Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts zu Köln deutlich langsamer als geplant. Installiert sind derzeit 181 Megawatt, weitere 1,3 Gigawatt sind im Bau – bis Ende 2027 könnten so bis zu 1,5 Gigawatt in Betrieb sein. Das Ziel von 10 Gigawatt bis 2030 gilt als gefährdet; selbst bei allen angekündigten Projekten wären nur 8,7 Gigawatt erreichbar. Nur rund 30 Prozent der für 2025 angekündigten Wasserstoffprojekte wurden fristgerecht realisiert. Weiterlesen
Chemische Grundstoffe auf Basis erneuerbarer Rohstoffe
Das Start-up Twogee Biotech nutzt biotechnologische Verfahren, um chemische Grundstoffe auf Basis erneuerbarer Rohstoffe herzustellen und fossile Alternativen zu ersetzen. In einer Seed-Runde hat das Unternehmen nun mehr als 2 Millionen Euro eingesammelt, um seine Plattform für nachhaltige Chemie weiterzuentwickeln. Mit dem Kapital soll die Technologie skaliert und der Markteintritt vorbereitet werden – mit dem Ziel, industrielle Produktionsprozesse klimafreundlicher zu gestalten. Weiterlesen
Veranstaltungen unserer Mitglieder:
Bioeconomy Conference 2026: 17. & 18. Juni in Berlin
Die industrielle Bioökonomie steht 2026 an einem Wendepunkt: Visionen, Strategien und Innovationsprogramme gibt es viele – doch der entscheidende Schritt ist jetzt die Skalierung in die reale Wertschöpfung. Auf der Bioeconomy Conference 2026 bringen wir Entscheiderinnen und Entscheider aus Industrie, Politik, Wissenschaft, Start-ups und Investoren zusammen, um genau darüber zu sprechen: Wie wird aus Technologie, Regulierung und Forschung ein belastbares Geschäftsmodell – und eine wettbewerbsfähige, resiliente Industrie?
Die Konferenz richtet den Blick bewusst auf Umsetzung statt Absichtserklärungen: Welche Rahmenbedingungen beschleunigen Investitionen? Wo blockieren Regeln und Prozesse? Welche Infrastruktur brauchen wir für Scale-up und Produktion? Und wie schaffen wir Partnerschaften entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Feedstock bis zum Produkt? Weiterlesen
Um sich für den regelmäßigen Erhalt dieses Newsletters zu anzumelden, registrieren Sie sich bitte hier. Leiten Sie diesen Newsletter auch gerne an Interessierte aus Ihrem Netzwerk weiter.
