BioEconomy Newsletter August

BioEconomy Newsletter August

Liebe Leser,

das aktuelle Energiewende-Barometer der IHK verdeutlicht die angespannte Lage am Wirtschaftsstandort Deutschland. Von rund 3.100 befragten Unternehmen sehen mehr als 40 Prozent – in der Industrie sogar rund zwei Drittel – ihre Wettbewerbsfähigkeit durch hohe Energiekosten beeinträchtigt. Diese finanzielle Belastung blockiert essenzielle Zukunftsinvestitionen in Klimaschutz und Innovationen und zwingt insbesondere die Industrie zur Verlagerung von Produktionskapazitäten ins Ausland. Eine Abwanderung energieintensiver Grundstoffindustrien gefährdet dabei unmittelbar auch den heimischen Aufbau neuer, biobasierter Wertschöpfungsketten.

Um der Deindustrialisierung entgegenzuwirken, rücken technologische Weichenstellungen in den Fokus. Ein zentraler Baustein für die industrielle Bioökonomie und künftige biogene Kohlenstoffkreisläufe ist die CO₂-Abscheidung, -Nutzung und -Speicherung (CCUS). Rund 42 Prozent der Unternehmen befürworten einen umfassenden Zugang zu diesen Technologien. Die Wirtschaft setzt bei der Transformation auf technologische Vielfalt, blickt jedoch teilweise besorgt auf die künftige Versorgungssicherheit: So sehen viele Betriebe einen planungssicheren Zugang zu Wasserstoff für alle Branchen und Regionen inzwischen kritisch. Zudem stößt eine Ausweitung des Emissionshandels bei steigenden CO₂-Preisen auf deutliche Vorbehalte – rund 43 Prozent der Befragten lehnen dies ab.

Die Wirtschaft fordert stattdessen verlässliche Rahmenbedingungen, die Transformation und Wettbewerbsfähigkeit vereinen. Für knapp 79 Prozent der Betriebe haben eine höhere Priorisierung und Verlässlichkeit beim Ausbau der Energieinfrastruktur oberste Priorität. Ebenso sprechen sich rund 74 Prozent dafür aus, dass Wirtschaftlichkeit, Freiwilligkeit und Technologieoffenheit die Leitprinzipien künftiger Klimaschutz- und Energieeffizienzmaßnahmen bilden müssen. Insgesamt benötigt die Wirtschaft nun wettbewerbsfähige Energiepreise und Planungssicherheit, um die Transformation am Standort Deutschland erfolgreich gestalten zu können.

In diesem Sinne, viel Spaß beim Lesen

Ihr BioEconomy e.V.


Top-News:

IHK: Jedes dritte Großunternehmen verlagert Produktionskapazitäten ins Ausland

Das aktuelle Energiewende-Barometer der IHK zeigt eine kritische Entwicklung für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Von rund 3.100 befragten Unternehmen aus allen Branchen sehen mehr als 40 Prozent ihre Wettbewerbsfähigkeit durch hohe Energiekosten beeinträchtigt. Die finanziellen Belastungen verhindern Zukunftsinvestitionen in Kernprozesse, Klimaschutz und Innovationen. Laut IHK verlagert bereits jedes dritte große Industrieunternehmen Produktionskapazitäten ins Ausland. Die Wirtschaft fordert daher einen verlässlichen Infrastrukturausbau, weniger Regulierung und wettbewerbsfähige Energiepreise, um die industrielle Substanz zu sichern.

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Aus unserem BioEconomy-Netzwerk:

Pflanzliche Antibiotika-Alternative für die Mundhöhle

Angesichts weltweit steigender Antibiotikaresistenzen erforscht das Fraunhofer IMWS in Halle (Saale) im neuen Projekt „LecDent“ alternative Therapieansätze gegen bakterielle Entzündungen im Mundraum. Im Fokus der Wissenschaftler stehen dabei Lektine, die aus Pflanzen und Makroalgen gewonnen werden. Diese natürlichen, kohlenhydratbindenden Proteine sollen krankheitserregende Biofilme gezielt bekämpfen und Infektionen frühzeitig verhindern. Ziel der Forschung ist der Aufbau einer kontrollierten, biotechnologischen Produktionsplattform, um die innovativen Wirkstoffe künftig für zahnmedizinische Präventions- und Behandlungskonzepte nutzbar zu machen.

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Studie: Versorgungssicherheit verdrängt Nachhaltigkeit in EU-Rohstoffpolitik

Eine aktuelle Studie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) belegt, dass die europäische Rohstoffpolitik zunehmend von der reinen Versorgungssicherheit dominiert wird. Die Forschenden analysierten über 180 Dokumente aus den Jahren 2000 bis 2024. Resultat: Vor allem seit der Energiekrise prägt das Narrativ der „Strategischen Autonomie“ Maßnahmen wie den Critical Raw Materials Act. Konzepte zur Verbrauchsreduzierung und Suffizienz geraten dabei in den Hintergrund. Die Wissenschaftler fordern, alternative Ansätze wie die Kreislaufwirtschaft stärker im politischen Diskurs zu verankern.

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52.000 Tonnen CO₂-Einsparung: Neuer Elektrodenkessel macht Leuna Dampf

Infraleuna und der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz Transmission haben im Chemiepark Leuna einen 35-MW-Elektrodenkessel in Betrieb genommen. Die Anlage wandelt Strom aus erneuerbaren Energien in Prozessdampf um und versorgt die ansässigen Unternehmen mit bis zu 45 Tonnen Dampf pro Stunde. Durch die flexible Leistungsanpassung kann der Einsatz von Erdgas in den Kraftwerken am Standort deutlich reduziert werden. Gegenüber der konventionellen Erzeugung spart das vom Generalunternehmer Etabo Energietechnik realisierte „Power to Heat“-Projekt jährlich bis zu 52.000 Tonnen CO₂ ein.

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„ReKlär“: Brennstoff aus Klärschlamm

Um kleine und mittlere kommunale Kläranlagen bei der energieautarken und emissionsarmen Abfallverwertung zu unterstützen, ist das sächsische Verbundprojekt „ReKlär“ gestartet. Mit einem Volumen von 1,9 Millionen Euro, gefördert durch die Sächsische Aufbaubank, entwickelt ein Netzwerk aus Wirtschaft und Forschung – darunter das DBFZ – ein neues Gesamtsystem. Im Fokus stehen die Erzeugung eines homogenen, lagerfähigen Brennstoffs aus entwässertem Klärschlamm sowie ein speziell darauf abgestimmtes Brennersystem zur dezentralen thermischen Verwertung.

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Aus der Welt der Bioökonomie:

Aus Wasser und CO2: PSI und Metafuels erproben grünes Kerosin

Auf dem Gelände des Schweizer Paul Scherrer Instituts (PSI) wurde am 20. August die „aerobrew“-Demonstrationsanlage eingeweiht. Das Gemeinschaftsprojekt des PSI und des Zürcher Unternehmens Metafuels erprobt die effiziente Herstellung von nachhaltigem Flugtreibstoff (SAF). Ein neuartiger, patentierter Prozess wandelt dabei grünes Methanol – gewonnen aus Wasser, erneuerbarem Strom und Kohlendioxid – in synthetisches Kerosin um. Die Testanlage ist auf eine Tagesproduktion von 50 Litern ausgelegt. Ab 2030 plant Metafuels den Betrieb der ersten kommerziellen Anlage.

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Kreislaufwirtschaft: Wandfarbe aus Autoreifen

BASF und der französische Farbenhersteller Cromology treiben gemeinsam den industriellen Einsatz recycelter Rohstoffe voran. Für die Innenwandfarbe Tollens Maxiline+ kommt das chemisch recycelte Styrol-Acrylat-Bindemittel Acronal Ccycled zum Einsatz, dessen Rohstoffe durch Pyrolyseöl aus Altreifen gewonnen werden. Ein zertifizierter Massenbilanzansatz ersetzt fossile Ressourcen, wobei ein 10-Liter-Gebinde rechnerisch dem Materialanteil von genau zwei Altreifen entspricht. Die nach REDcert² zertifizierte und in Frankreich bereits erhältliche Wandfarbe verbindet einen spürbar verringerten CO₂-Fußabdruck mit gewohnter Produktqualität.

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Studie: Kalzium-Looping soll Zementproduktion CO₂-negativ machen

Eine neue Lebenszyklusanalyse der ETH Zürich in Kooperation mit dem US-Unternehmen Heirloom Carbon Technologies zeigt großes Potenzial für die Dekarbonisierung der Zementindustrie. Durch die Kopplung der Zementherstellung mit dem Direct-Air-Capture-Verfahren (DAC) auf Basis von Kalzium-Looping lässt sich die Klimawirkung der Produktion bis 2050 um 78 Prozent senken. Elektrisch betriebene Öfen und die mehrfache CO₂-Aufnahme durch gelöschten Kalk ermöglichen sogar einen CO₂-negativen Betrieb. Das abgeschiedene Kohlendioxid wird verdichtet und unterirdisch gelagert.

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Essbare Plastik für Mensch und Tier

Bislang ging die Wissenschaft davon aus, dass nur Mikroorganismen natürliches PHA-Bioplastik abbauen können. Forschende des Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie in Bremen haben nun herausgefunden, dass auch Tiere die nötigen Enzyme dafür besitzen. Die Entdeckung begann beim darmlosen Meereswurm Olavius algarvensis und wurde in Genomdaten von über 66 Tierarten nachgewiesen. Die Ergebnisse zeigen, dass die mikrobiellen Speicherstoffe als Kohlenstoffquelle in tierische Nahrungsketten gelangen und natürliche Kunststoffe somit auch Nahrung für Tiere sind. Forschende der Southern Illinois University Carbondale in den USA gingen noch einen Schritt weiter. Sie haben eine Methode entwickelt, um Plastik- und Agrarabfälle in Nahrungsmittel umzuwandeln. Mithilfe der sogenannten „oxidativen hydrothermalen Auflösung“ werden PET-Abfälle und Biomasse zunächst zersetzt und anschließend an speziell programmierte Hefen verfüttert. Diese produzieren daraus verwertbare Proteine, Fette und Aromen. Per 3D-Drucker entstehen aus der Masse schließlich die „µBites“-Kekse. Die im Rahmen eines NASA-Projekts erforschte Upcycling-Technologie könnte künftig die Nahrungsversorgung in Krisengebieten oder auf Weltraummissionen unterstützen.

Bio-Plastik | Plastik-Kekse


Veranstaltungen:

7. Bioraffinerietag: „Schlüsseltechnologien für biobasierte Produkte und Kraftstoffe“

Am 29. September 2026 laden das Deutsche Biomasseforschungszentrum in Kooperation mit dem BioEconomy e.V. zum 7. Bioraffinerietag ein. Unter dem Motto „Schlüsseltechnologien für biobasierte Produkte und Kraftstoffe“ stehen innovative Konversions- und Trennverfahren im Fokus. Vorgestellt werden aktuelle Forschungsarbeiten sowie Ideen und Praxisbeispiele aus Wissenschaft und Industrie. Die Veranstaltung setzt auf Wissenstransfer, Austausch und Vernetzung innerhalb der Bioökonomie.

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