
BioEconomy Newsletter Juni
Liebe Leser,
der neue Statistical Review of World Energy 2026 zeigt angesichts neuer CO₂-Rekorde, dass der globale Hunger nach fossiler Energie noch immer ungebrochen ist. Dem gegenüber steht allerdings eine unaufhaltsame Dynamik der Erneuerbaren Energien, auch das zeigt der Bericht. Grüner Strom mag in der globalen Betrachtung noch ein zartes Pflänzchen sein, jedoch eines, dem wir buchstäblich beim Wachsen zusehen können.
Dass biobasierte Alternativen längst reif für den Markt sind, zeigt das ebenfalls im Bericht erwähnte Allzeithoch bei Biokraftstoffen. Unternehmen wie Repsol beweisen dies in der Praxis und rüsten Raffinerien für 130 Millionen Euro erfolgreich auf die Verarbeitung von Altspeiseölen und Agrarmüll um.
Angesichts weltweit steigender CO₂-Emissionen sind auch Infrastrukturprojekte wie das CCS-Pipelinenetz von ExxonMobil ein guter erster Schritt – für eine echte Defossilisierung müssen wir CO₂ jedoch langfristig als Rohstoff nutzen (CCU), statt es nur zu speichern.
Dass die Transformation der Industrie einer realistischen Betrachtung bedarf, unterstreicht ein gemeinsames Positionspapier von DBFZ und UFZ: Biogas kann neue Gaskraftwerke komplementär ergänzen, aber nicht ersetzen, da knappe Biomasse vielerorts gebraucht wird. Zudem gibt es technologische Grenzen, an denen gearbeitet werden muss – etwa bei der Wasserstoffnutzung: Hier erforscht das Fraunhofer IWM bereits neue Verfahren, um die Versprödung von Turbinen zu verhindern und Kraftwerke durch technologischen Fortschritt widerstandsfähiger und sicher „H₂-ready“ zu machen.
Für all diese wegweisenden Innovationen und den Schritt in die industrielle Skalierung braucht es jedoch Kapital. Der neue German Biotechnology Report 2026 von EY schlägt hier Alarm: Ein massiver Einbruch beim Venture Capital um ein Drittel auf 601 Millionen Euro bildet einen gefährlichen Wachstumsengpass in der Biotechnologiebranche – ein Problem, das nicht nur dort existiert.
Lassen Sie uns den Schwung der erneuerbaren Rekorde nutzen, um biobasierte Zukunftskonzepte mutig voranzutreiben! In diesem Sinne: Viel Spaß beim Lesen unseres Newsletters wünscht
Ihr BioEconomy e.V.
Top-News: Globaler Energieverbrauch und CO2-Ausstoß auf Rekordhoch – doch Erneuerbare wachsen am stärksten
Die Daten des brandneuen Statistical Review of World Energy 2026 zeichnen das Bild einer Welt in einer kritischen Übergangsphase, die von einer unbequemen Wahrheit geprägt ist: Der weltweite Hunger nach Energie ist ungebrochen. Erstmals hat der globale Primärenergiebedarf die Marke von 600 Exajoules überschritten. Die Menschheit hat damit mehr Energie aus fossilen Trägern verbraucht als jemals zuvor. Diese Allzeitrekorde beim absoluten Verbrauch von Kohle, Erdgas und Öl führten unweigerlich dazu, dass auch die CO₂-Emissionen des Energiesektors einen neuen historischen Höchststand von über 35.800 Millionen Tonnen erreicht haben.
Mitten in diesem fossilen Rekordhoch sendet der Bericht jedoch auch Signale einer echten Dynamik des Aufbruchs: Erstmals bildeten die erneuerbaren Energien den größten Treiber des gesamten weltweiten Energie-Wachstums – angeführt von einem beispiellosen Solar-Boom, der allein um 30 Prozent zulegte.
Eine ebenso ermutigende und für die Bioökonomie fundamentale Entwicklung dokumentiert der Bericht bei den molekularen Energieträgern: Die weltweite Produktion und der Konsum von Biokraftstoffen kletterten auf den historischen Höchststand von knapp 2,3 Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag. Angetrieben von einem Wachstum von fast 10 Prozent zeigt sich eindrucksvoll, dass flüssige und gasförmige Biomasse keine Nischenoptionen mehr sind, sondern skalierbare, industriell reife Säulen der Defossilisierung.
Aus unserem BioEconomy-Netzwerk:
DBFZ: Biogas kann neue Gaskraftwerke ergänzen – aber nicht ersetzen
Ein gemeinsames Positionspapier von DBFZ und UFZ warnt davor, neue Erdgaskraftwerke vollständig durch Biogas zu ersetzen. Während Biogas eine wichtigere Rolle für die Stromversorgungssicherheit spielen sollte, würde ein kompletter Verzicht auf Gaskraftwerke die Energiewende verteuern – Mehrkosten von bis zu 46 Milliarden Euro drohen. Zudem wird knappe Biomasse in anderen Sektoren wie Chemie und Verkehr dringend benötigt. Biogas und Wasserstoff-ready-Kraftwerke sollten daher als komplementäre Bausteine der Energiewende fungieren.
Materialforschung macht Fliegen kostengünstiger – und nachhaltiger
Auf der ILA Berlin 2026 stellte das Fraunhofer IMWS aus Halle zukunftsweisende Lösungen für eine nachhaltige Luftfahrt vor. Im Fokus stand das Projekt „EcoRudder“: Ein aus recycelbaren thermoplastischen Sandwichstrukturen gefertigtes Flugzeugseitenruder, das durch innovative Fertigungsverfahren eine effiziente Serienproduktion ermöglicht. Ergänzend präsentierte das Institut datendurchgängige Konzepte für die Kreislaufwirtschaft, die durch eine lückenlose Rückverfolgbarkeit von Bauteilen die industrielle Transformation der Branche hin zu mehr Ressourceneffizienz und serientauglicher Produktion maßgeblich unterstützen.
Plastikmüll schafft neue Ökosysteme im Ozean
Ein Forschungsteam des UFZ und des GEOMAR zeigt, dass langlebiger Plastikmüll in den Weltmeeren nicht nur eine Bedrohung ist, sondern als künstliches Substrat einen völlig neuartigen Lebensraum bildet. Auf diesen Plastikpartikeln entstehen „eutrophe Nischen“ – nährstoffreiche Oasen in der ansonsten kargen Wüste des offenen Meeres. Die dort lebenden Mikroben besitzen deutlich größere Genome als das umgebende Plankton, um die Vorteile dieses kollektiven Lebensraums optimal zu nutzen. Da sie das Plastik jedoch rein als stabilen Wohnraum und nicht als Nahrungsquelle nutzen, bauen sie den Müll leider nicht ab und bleibt daher weiterhin ein lebensbedrohliches Problem für zahlreiche Tierarten.
Aus der Welt der Bioökonomie:
Finanzierungskrise: Biotech-Branche fehlen Millionen
Deutschlands Biotech-Branche steht laut dem „German Biotechnology Report 2026“ von EY vor einer Finanzierungskrise: Das Venture Capital sank 2025 um 33 Prozent auf 601 Millionen Euro, wobei sich das Kapital auf wenige Großunternehmen konzentriert. Ein historischer Tiefstand bei Series-B-Finanzierungen (7 Millionen Euro) verdeutlicht den massiven Wachstumsengpass beim Übergang zur industriellen Skalierung. Zudem bleibt der deutsche Börsenmarkt für IPOs attraktivitätslos; deutsche Startups wandern zunehmend an die NASDAQ ab. Trotz exzellenter Forschung droht Deutschland so bei der wirtschaftlichen Wertschöpfung gegenüber den USA dauerhaft zurückzufallen.
Wasserstoff versprödet Turbinen: So werden Kraftwerke „H₂-ready“
Wasserstoff ist klimafreundlich, aber tückisch: Er diffundiert in Metalle und kann diese „verspröden“, was zu plötzlichen Rissen führt. Um Gaskraftwerke fit für 100 Prozent Wasserstoff zu machen, testet das Fraunhofer IWM Werkstoffe in einem neuen Hohlproben-Verfahren unter extremen Bedingungen. Hersteller wie Siemens Energy setzen zudem auf bewährte, wasserstoffresistente Legierungen aus der Vergasungstechnik. Diese Kombination aus präziser Grundlagenforschung und industrieller Erfahrung soll die langfristige Sicherheit und H₂-Fähigkeit der Kraftwerksstrategie gewährleisten.
Exxon investiert in CCS-Pipelinenetz
26.05. – Angetrieben durch den enormen Energiehunger und die steigenden Emissionen des KI-Booms investiert ExxonMobil in Summe 5 Milliarden Dollar in den Ausbau seiner Infrastruktur für die CO₂-Abscheidung und -Speicherung (Carbon Capture and Storage, CCS). Der Ölkonzern erweitert sein knapp 1.500 Kilometer langes unterirdisches CO₂-Pipelinesystem, vor allem in Louisiana, um Kunden direkt anzubinden. Trotz anhaltender Greenwashing-Kritik und eines Einbruchs beim klassischen Zertifikathandel zeigt der globale CCS-Markt mit 77 aktiven und 44 im Bau befindlichen Anlagen klare Erholungstendenzen, getrieben durch direkte Unternehmensinitiativen statt staatlicher Regulierung. Wir finden: Ein guter erster Schritt, Big Oil! Statt CO₂ zu speichern, aber besser weiterverwenden (Carbon Capture and Utilization, CCU).
Repsol nimmt Großanlage für erneuerbare Kraftstoffe aus Speiseabfällen in Betrieb
Das Energieunternehmen Repsol hat im spanischen Puertollano eine ehemalige Raffinerie für über 130 Millionen Euro auf die Verarbeitung von Altspeiseölen sowie Agrar- und Lebensmittelmüll umgerüstet. Durch die zusätzliche Integration von Wasserstoff aus Biogas wird der CO₂-Fußabdruck des produzierten Kraftstoffs („Nexa Diesel“) um bis zu 98 Prozent gesenkt. Das erste Umbauprojekt dieser Art auf der Iberischen Halbinsel steigert Repsols jährliche Gesamtkapazität für erneuerbare Kraftstoffe auf 450.000 Tonnen und beliefert bereits über 1.600 Tankstellen in Spanien und Portugal.
Veranstaltungen:
7. Bioraffinerietag / BioEconomy BusinessTreff
Am 29. September 2026 laden das Deutsche Biomasseforschungszentrum in Kooperation mit dem BioEconomy e.V. zum 7. Bioraffinerietag ein. Unter dem Motto „Schlüsseltechnologien für biobasierte Produkte und Kraftstoffe“ stehen innovative Konversions- und Trennverfahren im Fokus. Vorgestellt werden aktuelle Forschungsarbeiten sowie Ideen und Praxisbeispiele aus Wissenschaft und Industrie. Die Veranstaltung setzt auf Wissenstransfer, Austausch und Vernetzung innerhalb der Bioökonomie.
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