BioEconomy Newsletter März

BioEconomy Newsletter März


Liebe Leser,

die aktuelle geopolitische Lage führt uns die Verwundbarkeit unserer industriellen Wertschöpfungsketten drastisch vor Augen. Der anhaltende russische Angriffskrieg in der Ukraine und die Eskalationen im Nahen Osten verschärfen die Rohstoffknappheit und treiben die Energiekosten in die Höhe. In diesem Kontext ist die Transformation der Wirtschaft hin zu einer souveränen, biobasierten Industrie keine bloße Option mehr, sondern eine strategische Notwendigkeit zur Sicherung unseres Wirtschaftsstandorts.

Die Bioökonomie bietet hierfür die entscheidenden Schlüssel: Unabhängigkeit von fossilen Importen durch die Nutzung heimischer Ressourcen und innovative Kreislaufkonzepte. Dass die Branche bereitsteht, belegen gleich mehrere aktuelle Studien: So könnten sich die Produktionskapazitäten für Biokraftstoffe laut einer Untersuchung der EU-Kommision in den kommenden vier Jahren verzwanzigfachen – eine gute Nachricht, angesichts explodierender Ölpreise. Das enorme Potenzial nachhaltiger Lösungen zeigt sich auch am Markt für biobasierte Tenside, der laut dem Marktforschungsinstitut Ceresana auf ein Volumen von 10 Milliarden Euro zusteuert. Hinzu kommen immer neue technologische Meilensteine, wie der Durchbruch in der Methanolsynthese der ETH Zürich, der CO2 als nachhaltigen Rohstoff erschließt, oder ein neues Verfahren der University of Waterloo, welches Plastikmüll effizient in industrielle Essigsäure umwandelt.

Um all diese Potenziale voll auszuschöpfen, müssen wir bestehende Hürden identifizieren. Hierzu leisten die aktuelle Studie zur industriellen Nutzung biologischer Stoffverbünde des DBFZ und des Fraunhofer CBP sowie die Analyse des House of Transfer zum „Mitteldeutschen Stoffverbund 2035“ wichtige Beiträge.

Gleichzeitig warnt der Bioeconomy e.V. vor Rückschlägen durch regulatorische Unsicherheiten: Wenn in der Biomethan-Branche Investoren mit dem Stopp von Milliarden-Projekten drohen, gefährdet dies die Dekarbonisierung und unsere nationale Energieunabhängigkeit.

Der Bioeconomy e.V. begleitet den Wandel unserer Industrie aktiv als Plattform für Dialog und Vernetzung. Wir laden Sie herzlich ein, diese Debatten auf der Bioeconomy Conference am 18. Juni 2026 in Berlin fortzuführen. Lassen Sie uns die Transformation gemeinsam beschleunigen!

In diesem Sinne, viel Spaß beim Lesen des Newsletters wünscht

Ihr BioEconomy e.V.!


Top-News – EU-Studie: Vervielfachung der Biokraftstoff-Kapazitäten bis 2030

Eine neue Studie der EU-Kommission zeigt enorme Wachstumspotenziale für fortschrittliche Biokraftstoffe auf: Die Produktionskapazitäten könnten von aktuell 0,5 Millionen Tonnen auf bis zu 10,7 Millionen Tonnen im Jahr 2030 ansteigen – eine mehr als zwanzigfache Steigerung. Dieser Ausbau ist technologisch realisierbar und bildet eine zentrale Säule für die Dekarbonisierung des Flug- und Schiffsverkehrs. Erforderlich sind nun stabile Investitionsbedingungen und eine konsequente Mobilisierung nachhaltiger Reststoffströme in der europäischen Bioökonomie.

Zur News


Aus unserem BioEconomy-Netzwerk:

Studie „Mitteldeutscher Stoffverbund 2035“ wird vorgestellt

Die Transformation am Chemiestandort Mitteldeutschland steht im Fokus einer neuen Studie des Verbundprojekts House of Transfer. Analysiert werden die Auswirkungen von Anlagenstilllegungen in Böhlen und Schkopau sowie alternative Rohstoffpfade bis 2035. Ziel ist ein nachhaltiges, resilientes Wertschöpfungssystem. Die vielbeachtete Vorstellung der Ergebnisse findet am 14. April in Halle (Saale) statt.

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DBFZ: THG-Quote allein reicht nicht für Klimaziele im Verkehr

Ein Hintergrundpapier des DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum gemeinnützige GmbH analysiert die Szenarien zur Treibhausgasminderungs-Quote (THG) bis 2045. Das Fazit: Der aktuelle Gesetzentwurf der Bundesregierung gewährleistet die Zielerreichung des Klimaschutzgesetzes im Verkehrssektor nicht. Selbst in einem ambitionierten Szenario entstünde bis 2040 eine Emissionsschuld von 274 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent. Um die Klimaneutralität bis 2045 eigenständig zu erreichen, müsste die Quote bis 2040 auf mindestens 80 Prozent steigen. Die Bundesregierung diskutiert aktuell eine Anpassung der THG-Quote.

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Studie zur industriellen Nutzung biologischer Stoffverbünde

Das DBFZ führt in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Zentrum für Chemisch-Biotechnologische Prozesse CBP eine Expertenbefragung zur Potenzialanalyse industriell nutzbarer, biologischer Stoffverbünde durch. Ziel der Untersuchung ist es, Hemmnisse und Chancen für den Einsatz biobasierter Rohstoffe in der Industrie zu identifizieren. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für Handlungsempfehlungen dienen, um die stoffliche Nutzung von Biomasse zu stärken. Interessierte Fachakteure sind eingeladen, ihre Expertise über das Online-Portal des DBFZ einzubringen.

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Aus der Welt der Bioökonomie:

10-Mrd.-Euro-Markt: Bio-basierte Tenside auf Erfolgskurs

Der Markt für bio-basierte Tenside in Europa wächst rasant und erreicht laut Marktforschungsunternehmen Ceresana – B2B-Marktforschung bald ein Volumen von 10 Milliarden Euro. Besonders die Nachfrage nach ökologischen Wasch- und Reinigungsmitteln sowie Kosmetikprodukten treibt den Ersatz erdölbasierter Substanzen durch pflanzliche Rohstoffe massiv voran. Dabei gewinnen vor allem Tenside auf Basis von Zuckern oder Pflanzenölen an Bedeutung, da sie eine biologisch abbaubare und leistungsstarke Alternative für die Industrie bieten.

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Biomethan-Branche: Investoren drohen mit Stopp von Milliarden-Projekten

Der deutsche Biomethan-Industrie drohen massive Investitionskürzungen. Aufgrund regulatorischer Unsicherheiten und sinkender Quotenpreise für Treibhausgasminderungen (THG) erwägen Investoren, geplante Milliarden-Investitionen auszusetzen. Branchenkreise warnen, dass ohne verlässliche Rahmenbedingungen die Dekarbonisierung des Gassektors und die nationale Energieunabhängigkeit gefährdet sind. Dies wäre ein gravierender Rückschritt in den Transformationsbestrebungen der deutschen Wirtschaft, da Biomethan eine zentrale Säule der industriellen Bioökonomie darstellt.

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Plastikmüll als Rohstoff: Forscher gewinnen Essigsäure aus Polyethylen

Ein Team der University of Waterloo in Kanada hat ein effizientes Verfahren entwickelt, um Polyethylen in wertvolle Essigsäure umzuwandeln. Mittels Photokatalyse wird der Plastikmüll bei Raumtemperatur unter Sonnenlicht zersetzt. Diese Methode ist deutlich nachhaltiger als herkömmliche Recyclingverfahren, die oft hohe Temperaturen und giftige Chemikalien benötigen. Die gewonnene Essigsäure kann direkt in der Industrie, etwa für Lebensmittel oder Reinigungsmittel, genutzt werden und macht Plastikmüll zu einem kostengünstigen Rohstoff für die Bioökonomie.

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CO2 als Rohstoff: Durchbruch in der Methanolsynthese

Ein neuartiger Einzelatom-Indium-Katalysator ermöglicht die hocheffiziente Umwandlung von Kohlendioxid in Methanol. Das von Forschenden der ETH Zürich entwickelte Verfahren besticht durch optimale Atomökonomie, senkt den Energieaufwand und reduziert unerwünschte Nebenprodukte signifikant. Diese technologische Innovation bietet der chemischen Industrie neue Wege, CO2 als nachhaltigen Rohstoff zu nutzen und die Abhängigkeit von fossilen Ressourcen zu verringern.

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Veranstaltungen:

Bioeconomy Conference 2026 – 17. & 18. Juni in Berlin

Die industrielle Bioökonomie steht 2026 an einem Wendepunkt: Visionen, Strategien und Innovationsprogramme gibt es viele – doch der entscheidende Schritt ist jetzt die Skalierung in die reale Wertschöpfung. Auf der Bioeconomy Conference 2026 bringen wir Entscheiderinnen und Entscheider aus Industrie, Politik, Wissenschaft, Start-ups und Investoren zusammen, um genau darüber zu sprechen: Wie wird aus Technologie, Regulierung und Forschung ein belastbares Geschäftsmodell – und eine wettbewerbsfähige, resiliente Industrie?

Die Konferenz richtet den Blick bewusst auf Umsetzung statt Absichtserklärungen: Welche Rahmenbedingungen beschleunigen Investitionen? Wo blockieren Regeln und Prozesse? Welche Infrastruktur brauchen wir für Scale-up und Produktion? Und wie schaffen wir Partnerschaften entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Feedstock bis zum Produkt?

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