Damit Innovationen auf breiter Fläche in die Umsetzung gelangen, braucht es verlässliche Leitplanken. Die neuen EU-Vorgaben zur Verpackungsverordnung Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) sollen Verpackungsmüll reduzieren und Planungssicherheit für Investitionen in rezyklatfähige Lösungen schaffen – greifen aber zu kurz.
Der aus Sicht der Bioökonomie größte Kritikpunkt ist eine zu einseitige Fixierung auf Post-Consumer-Rezyklate (PCR): Die PPWR schreibt verbindliche Mindestanteile an recyceltem Kunststoff für neue Verpackungen vor. Das Problem: Biobasierte Kunststoffe (wie PEF oder Bio-PE) werden bisher nicht auf diese Quoten angerechnet. Ein Hersteller, der eine Flasche aus 100 Prozent nachwachsenden Rohstoffen produziert, erfüllt damit streng genommen nicht die Quote für recyceltes Material. Dies könnte dazu führen, dass Unternehmen eher auf fossile Rezyklate setzen, statt in innovative biobasierte Lösungen zu investieren.
Die PPWR legt zudem fest, welche Verpackungen zwingend kompostierbar sein müssen, etwa Teebeutel oder Kaffeepads. Die Liste solcher verpflichtend kompostierbaren Anwendungen ist allerdings sehr kurz. Auch andere Kategorien, wie bestimmte, stark mit Resten verschmutzte Lebensmittelverpackungen, sollten ebenfalls zugelassen werden, um den Bioabfall-Kreislauf zu stärken. Die Verordnung bleibt hier zu restriktiv.
Laut der PPWR müssen biobasierte Kunststoffe aus nachhaltigen Quellen stammen. Die EU-Kommission arbeitet aktuell an delegierten Rechtsakten, um die Kriterien zu präzisieren. Hier gilt es, eine Überregulierung unbedingt zu vermeiden! Wenn die Anforderungen an die Landnutzung („Food vs. Fuel“-Debatte) zu streng gefasst werden, könnten europäische Bio-Kunststoffe gegenüber US-amerikanischen oder asiatischen Produkten, die unter weniger strengen Auflagen produziert werden, preislich nicht mehr konkurrenzfähig sein.
Ein abschließender Gedanke: Die PPWR verweist indirekt auf den Grundsatz der Kaskadennutzung. Biomasse soll vorrangig stofflich verwertet werden, bevor sie energetisch genutzt wird. Allerdings fehlen oft konkrete Anreize, um biobasierte Rohstoffe in den Verpackungsmarkt zu bringen, die über die reine Vermeidung von Plastikverboten hinausgehen. Ohne eine Gleichstellung von biobasiertem Kunststoff mit recyceltem Kunststoff in Bezug auf Quoten bleibt die Bioökonomie ein „Zusatzgeschäft“ für Nischenmärkte.
