BioEconomy Newsletter September

BioEconomy Newsletter September

Liebe Leser,

die deutsche Wirtschaft steht vor gewaltigen Herausforderungen und die größten Bremsklötze für den unternehmerischen Erfolg sind längst nicht mehr nur die Energiepreise oder der Fachkräftemangel. Eine aktuelle Umfrage des Münchner Ifo-Instituts zeigt: Die zunehmende Belastung durch Bürokratie, ausufernde Dokumentationspflichten und langwierige Genehmigungsverfahren wird von rund 50 Prozent der befragten Unternehmen als das mit Abstand schwerwiegendste Standortproblem bewertet. Besonders große und mittlere Betriebe ersticken in einem Dickicht aus Arbeitsrecht, Berichten und Datenschutzvorgaben. Der fatale Effekt zeigt sich vor allem dort, wo Vorhaben angesichts des enormen Planungs- und Nachweisaufwands gar nicht erst begonnen werden – ein volkswirtschaftlicher Schaden, der in keiner Statistik auftaucht.

Dieser strukturelle Stillstand lähmt auch die industrielle Transformation, wie der Blick auf die Chemie- und Bioökonomie-Branche zeigt. Während internationale Wettbewerber mit hoher Geschwindigkeit agieren, verstricken sich europäische und nationale Verfahren in einem Netz aus unzureichend abgestimmten Gesetzen und langwierigen administrativen Vorläufen. Statt unternehmerische Freiräume für Innovationen zu schaffen, leidet die betriebliche Praxis an dieser Überregulierung.

Um den Wirtschaftsstandort Deutschland nachhaltig zu entlasten und die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, braucht es einen grundlegenden Kurswechsel in der Regulierungspolitik. Konkrete strukturelle Maßnahmen für einen wirksamen Bürokratieabbau müssen dabei konsequent umgesetzt werden:

  • Vermeidung neuer Belastungen und Stopp nationaler Alleingänge: Es braucht einen echten Belastungsstopp für die Wirtschaft. Europäische Vorgaben müssen eins zu eins und ohne zusätzliche nationale Sonderverschärfungen umgesetzt werden. Zudem sollten neue Gesetze standardisiert darauf geprüft werden, ob sie in der Praxis tatsächlich den gewünschten Zweck erfüllen – andernfalls sind sie anzupassen oder zurückzuziehen.
  • Entschlackung von Berichts- und Dokumentationspflichten: Der wachsende Berg an kleinteiligen Dokumentations- und Nachweispflichten muss drastisch reduziert werden. Gesetzgeber und Behörden müssen sich abwägen, ob Daten zwingend erforderlich sind und wie Doppelstrukturen konsequent vermieden werden können.
  • Einsatz flexibler Instrumente und Genehmigungsfiktionen: Um wirtschaftliche Dynamik zu erzeugen, sollten flexible und beschleunigende Instrumente wie flächendeckende Genehmigungsfiktionen oder standardisierte Erprobungsräume für neue Verfahren etabliert werden.
  • Konsequente Digitalisierung der Verwaltung: Ein moderner Staat erfordert das konsequente Aufbrechen alter, papierbasierter Dokumentationsformen. Einheitliche, volldigitale Behörden- und Genehmigungsverfahren ohne Reibungsverluste zwischen den föderalen Ebenen sind zwingend erforderlich, um Verwaltungsprozesse spürbar zu verschlanken.

Deutschland und Europa müssen dringend von einer Kultur der Überregulierung zu einer praxisorientierten Verwaltung finden. Nur wenn die politisch verordnete Zettelwirtschaft spürbar zurückgefahren wird, erhalten Unternehmen den Freiraum und die Planungssicherheit zurück, die sie für Investitionen und Innovationen dringend benötigen.

In diesem Sinne, viel Spaß beim Lesen

Ihr BioEconomy e.V.


Top-News: Deutschland hat die höchsten Strompreise aller G20-Staaten

Deutschland verzeichnet mit 35,6 Cent pro Kilowattstunde die höchsten Strompreise unter allen G20-Staaten. Laut einer Analyse des Vergleichsportals Verivox auf Basis von Daten des Energiedienstes Global Petrol Prices zahlen deutsche Verbraucher damit mehr als doppelt so viel wie der G20-Durchschnitt von 16,3 Cent. Verivox-Energieexperte Thorsten Storck begründet dies maßgeblich mit der hohen Steuer- und Abgabenlast, die über 60 Prozent des Strompreises ausmacht. Wirtschaftsverbände, darunter auch der BioEconomy e.V., fordern eine umfassende Senkung der Stromsteuer für Unternehmen und Haushalte.

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Aus unserem BioEconomy-Netzwerk:

Nach versuchter Rettung: Leuna Polyamid stellt Produktion ein

Fünf Monate nach der vermeintlichen Rettung steht die Leuna Polyamid GmbH endgültig vor dem Aus. Ende September wird die Produktion in dem Chemiewerk eingestellt, da die Investorensuche erfolglos blieb. Als Gründe nennt Geschäftsführer Martin Naundorf hohe Rohstoffkosten, schwache Nachfrage und Preisdruck aus China. Das kontrollierte Herunterfahren der komplexen Anlagen wird Monate dauern. Die Schließung betrifft zudem den restlichen Chemiepark Leuna, da nun gemeinsam genutzte Stoffströme und essenzielle Infrastrukturen wie die Ammoniakversorgung neu organisiert werden müssen.

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Starke Quartalszahlen treiben Südzucker-Aktie

Die Südzucker AG hat im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 ein kräftig gesteigertes operatives Konzern-EBITDA von 168 Millionen Euro nach 93 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum verzeichnet. Maßgebliche Impulse für diesen deutlichen Ergebnisanstieg lieferte neben dem Spezialitätengeschäft vor allem das Segment CropEnergies durch höhere Ethanolpreise und positive Marktbedingungen. Angesichts der starken Geschäftsentwicklung hob das Unternehmen seine Gesamtjahresprognose an. An der Börse sorgten diese Zahlen für kräftigen Rückenwind, wodurch der Aktienkurs der Muttergesellschaft deutlich zulegte.

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Ewiger Roggenbau: MLU veröffentlicht Daten aus fast 150 Jahren Agrarforschung

Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) hat die Daten von Deutschlands ältestem Dauerfeldversuch, dem „Ewigen Roggenbau“, vollständig digitalisiert und öffentlich zugänglich gemacht. Seit 1878 wird auf dem von Julius Kühn angelegten Versuchsfeld in Halle kontinuierlich Winterroggen angebaut. Die Aufzeichnungen lagen bisher nur analog vor. Laut Prof. Dr. Janna Macholdt helfen die historischen Informationen bei der Entwicklung nachhaltiger Anbausysteme. Das MLU-Team nutzt die von Dr. Karolin Kunz aufbereiteten Datensätze nun für einen digitalen Zwilling, um Ertragsprognosen für Klimaszenarien zu erstellen.

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Aus der Welt der Bioökonomie:

Rückläufige Anbaufläche für nachwachsende Rohstoffe in Deutschland

Die Anbaufläche für nachwachsende Rohstoffe in Deutschland umfasste 2025 rund 2,27 Millionen Hektar und sank damit leicht um 2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dies geht aus aktuellen Daten der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe hervor. Mit einem Anteil von knapp 14 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche bilden nachwachsende Rohstoffe ein wichtiges Standbein für die Erzeugung von Biomasse und Industrierohstoffen. Größter Bereich blieben mit 1,19 Millionen Hektar Energiepflanzen für Biogas, gefolgt von Raps mit 686.000 Hektar.

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EU-Mehrwertsteuerregeln sollen zirkuläre Geschäftsmodelle stärken

Die Europäische Kommission hat eine öffentliche Konsultation gestartet, um das Mehrwertsteuersystem an Prinzipien der Kreislauf- und emissionsarmen Wirtschaft anzupassen. Die Initiative ist Teil des kommenden Circular Economy Act. Im Mittelpunkt stehen drei Schwerpunkte: die steuerliche Behandlung von Gebrauchtwaren, die Vernichtung gebrauchsfähiger Güter sowie Vorsteuerabzugsregeln für geschäftlich genutzte Personenkraftwagen. Die achtwöchige Konsultation über das Portal „Have your Say“ läuft bis zum 4. November 2026 und bereitet einen Legislativvorschlag zur Änderung der Mehrwertsteuer-Richtlinie für Anfang 2027 vor.

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Tiefsee-Enzym knackt extrem starke Stickstoffbindung

Forschende des Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie in Bremen haben die Enzym-Struktur des Tiefsee-Mikroorganismus Methanocaldococcus infernus entschlüsselt. Das Enzym Nitrogenase wandelt selbst bei Temperaturen von 90 Grad Luftstickstoff in Ammoniak um, indem es die enorm starke chemische Dreifachbindung des Stickstoffs aufbricht. Da dieses Enzym außergewöhnlich hitzebeständig ist, bietet es das Potenzial, künftig umweltfreundlichere und weniger energieintensive Alternativen für die industrielle Düngemittelproduktion zu entwickeln.

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BIOWEG baut größte europäische Anlage für bakterielle Zellulose

Das Deep-Tech-Unternehmen BIOWEG errichtet im nordrhein-westfälischen Elsdorf die europaweit größte Anlage zur Herstellung von bakterieller Zellulose. Der Produktionsstart der vollautomatisierten Anlage ist für 2028 geplant, die Jahreskapazität soll bis zu 10.000 Tonnen erreichen. Finanziert wird das Projekt durch eine Serie-A-Runde in Höhe von 18 Millionen Euro sowie 10,3 Millionen Euro aus EU-Fördermitteln. Die aus bakterieller Zellulose gewonnenen, biologisch abbaubaren Inhaltsstoffe ersetzen fossile Polymere und synthetisches Mikroplastik in Düngemitteln, Kosmetika und Reinigungsmitteln.

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Veranstaltungen:

BusinessTreff: „Zukunft auf dem Teller – Wachstumsmarkt Novel Food“

Alternative Proteine gewinnen zunehmend an Bedeutung für die Ernährungs- und Agrarwirtschaft: Ob als ressourcenschonendes Novel Food für den menschlichen Speiseplan oder als nachhaltiges Futtermittel in der Tierernährung. Entdecken Sie das enorme Potenzial dieser zukunftsweisenden Wertschöpfungsketten und gewinnen Sie exklusive Einblicke von führenden Experten aus Forschung und Industrie – im Rahmen unseres BioEconomy BusinessTreffs zum Thema Novel Food & Feed, am 29. Oktober in der Leipziger Spinnerei. Die Teilnahme ist kostenfrei. Anmeldung über events@bioeconomy.de.


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