Bioeconomy Newsletter April

BioEconomy Newsletter April

Liebe Leser,

die aktuelle wirtschaftliche Lage, geprägt von volatilen Energiepreisen und geopolitischen Spannungen, verdeutlicht eine strategische Notwendigkeit: Wir müssen den industriellen Rohstoffbezug grundlegend neu denken. Für uns als Bioeconomy e.V. steht fest, dass die Kreislaufwirtschaft weit mehr als ein ökologisches Ideal ist. Sie ist ein entscheidender Baustein für die Transformation hin zu einer fossilfreien Industrie und eine substanzielle Antwort auf die Frage nach langfristiger Versorgungssicherheit.

Ein Blick in unseren aktuellen Newsletter zeigt, dass dieser technologische Wandel bereits im vollen Gange ist. Die Industrie schafft heute durch zirkuläre Innovationen Fakten, die weit über traditionelle Ansätze hinausgehen. Besonders eindrucksvoll belegen dies Forscher der Universität Cambridge: Mit einem solarbetriebenen Reaktor spalten sie schwer recycelbare Kunststoffe wie Nylon oder Polyurethan mithilfe alter Autobatteriesäure auf. Aus diesem „doppelten“ Abfall entstehen sauberer Wasserstoff und wertvolle Essigsäure – ein Paradebeispiel dafür, wie wir Abfallströme künftig als kombinierbare Ressourcen begreifen müssen.

Dass Kreislaufführung auch vor flüssigen Reststoffen nicht haltmacht, beweist das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). Durch eine wegweisende Kombination aus Mikroorganismen und Elektrochemie gelingt es, kritische Metalle wie Kupfer und Kobalt sowie Phosphor direkt aus industriellem Abwasser zurückzugewinnen. Solche Lösungen sichern den Rohstoffbedarf direkt am Industriestandort und minimieren ökologische Risiken.

Damit diese Innovationen jedoch den Massenmarkt erreichen, braucht es verlässliche politische Leitplanken. Die nun konkretisierten Leitfäden der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) markieren zwar einen wichtigen Startschuss für standardisierte Kreislaufkonzepte im Binnenmarkt, greifen jedoch an einer entscheidenden Stelle zu kurz: Biobasierte Kunststoffe werden nach aktuellem Stand nicht auf die verbindlichen Rezyklatquoten angerechnet. Dies droht, die Dynamik der Bioökonomie auszubremsen, da Unternehmen einseitig in Richtung fossiler Rezyklate gedrängt werden, statt in innovative, erneuerbare Lösungen zu investieren.

Dabei zeigt der Ruf der Industrie nach einem beschleunigten Biomethan-Hochlauf, angeführt vom Verband Cefic, wie eng Energiesicherheit und Stoffkreisläufe verzahnt sind. Eine skalierte Biomethan-Produktion dient nicht nur der regenerativen Energieversorgung, sondern liefert über biogenes CO2 und Gärreste auch unverzichtbare Grundstoffe für zirkuläre industrielle Wertschöpfungsketten.

Die Kreislaufwirtschaft ist kein Selbstzweck. Sie ist ein Werkzeug, um unsere industrielle Basis von fossilen Importen zu entkoppeln. Lassen Sie uns diesen Weg konsequent weitergehen – für einen starken und nachhaltigen Industriestandort.

In diesem Sinne, viel Spaß beim Lesen des Newsletters wünscht

Ihr BioEconomy e.V.


Top-News: Neue EU-Verpackungsverordnung PPWR bremst Bioökonomie aus

Die Europäische Kommission hat die lang erwarteten Leitplanken zur Umsetzung der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) vorgelegt. Diese neue Richtlinien konkretisieren die strengen Zielvorgaben für die Kreislaufwirtschaft und betreffen die gesamte Wertschöpfungskette – von der Materialauswahl bis zum Recycling. Unternehmen sollen damit Planungssicherheit für Investitionen in Mehrwegsysteme und rezyklatfähige Verpackungen erhalten. Für die Verpackungsindustrie markieren diese Dokumente den Startschuss für eine umfassende Transformation hin zu standardisierten, nachhaltigen Lösungen im EU-Binnenmarkt. 

Biobasierte Produkte werden dabei nach aktuellem Stand allerdings nicht ausreichend berücksichtigt. Die PPWR schreibt verbindliche Mindestanteile an recyceltem Kunststoff für neue Verpackungen vor. Das Problem: Biobasierte Kunststoffe werden bisher nicht auf diese Quoten angerechnet. Dies könnte dazu führen, dass Unternehmen eher auf fossile Rezyklate setzen, statt in innovative biobasierte Lösungen zu investieren. Eine ausführliche Stellungnahme des Bioeconomy e.V. zur neuen EU-Verordnung finden Sie diesem Link.


Aus unserem BioEconomy-Netzwerk:

Mikroorganismen gewinnen Rohstoffe aus Abwasser

Ein Forschungsteam des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) hat eine wegweisende Methode entwickelt, um Abwasser als wertvolle Rohstoffquelle zu nutzen. Mithilfe spezieller Mikroorganismen gelingt es, Metalle wie Kupfer und Kobalt sowie Phosphor hocheffizient aus industriellen Abwässern zurückzugewinnen. Die im März 2026 vorgestellte Technologie kombiniert biologische Prozesse mit elektrochemischen Verfahren. Dieser Ansatz schont nicht nur natürliche Ressourcen, sondern bietet der Industrie eine nachhaltige Lösung, um kritische Rohstoffe direkt vor Ort im Kreislauf zu halten.

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Leuna-Polyamid übernimmt Domo Caproleuna

In einer „Last-Minute-Rettung“ wurde die drohende Stilllegung des insolventen Chemiewerks Domo Caproleuna abgewendet. Zum 1. April 2026 hat die neu gegründete Leuna-Polyamid GmbH – ein Gemeinschaftsunternehmen von InfraLeuna und Leuna-Harze – den Betrieb übernommen. Durch den Schulterschluss der Standortpartner und die Unterstützung der Landesregierung Sachsen-Anhalt bleiben über 430 Arbeitsplätze sowie der wichtige Stoffverbund im Chemiepark erhalten. Die Investition sichert die Versorgung mit Polyamid 6 und verhindert eine drohende Industrieruine im mitteldeutschen Revier.

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Weltneuheit: Spitzenlastheizen mit Wasserstoff

Am 16. April präsentiert die HYTING GmbH beim Online-Event HYPOS-Pitch eine Weltneuheit für den Wärmemarkt: Ein flammenloses Heizsystem, das Wasserstoff und Luftsauerstoff in einem katalytischen Prozess direkt in Nutzwärme umwandelt – ganz ohne Stickoxid-Emissionen. Das kompakte System ist als effiziente Spitzenlastlösung für Industriehallen und Bestandsgebäude konzipiert. Die Technologie kann den Erdgasaustausch im industriellen Realbetrieb beschleunigen und durch modulare Skalierbarkeit den CO₂-Fußabdruck großer Liegenschaften massiv senken. 

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Aus der Welt der Bioökonomie:

Europäische Industrie fordert beschleunigten Biomethan-Hochlauf

Die europäische Industrie, angeführt vom Branchenverband Cefic, fordert dringende politische Maßnahmen für einen massiven Hochlauf der Biomethan-Produktion. Vor dem Hintergrund steigender Energiekosten und des Drucks zur Dekarbonisierung soll Biomethan als regenerative Quelle die Energiesicherheit stärken und die Abhängigkeit von Erdgasimporten verringern. Ein skalierter Einsatz würde zudem wertvolle Koppelprodukte wie biogenes CO₂ und nährstoffreiche Gärreste für die Kreislaufwirtschaft liefern. Die Industrie betont, dass dieser Schritt essenziell ist, um die Klimaneutralität zu erreichen, ohne die industrielle Basis in Europa zu gefährden.

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Zwischen Hype und Realität: Die Zukunft biobasierter Kunststoffe in der EU

Ein Bericht der Gemeinsamen Forschungsstelle der EU beleuchtet das Potenzial und die Hürden biobasierter Kunststoffe im Rahmen der Kreislaufwirtschaft. Trotz eines prognostizierten Wachstums auf 4,7 Millionen Tonnen bis 2030 machen diese Materialien aktuell nur 0,5 Prozent der globalen Produktion aus. Während sie helfen können, die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen zu verringern, bleiben hohe Produktionskosten und die Konkurrenz um landwirtschaftliche Flächen zentrale Herausforderungen. Mit der neuen „EU Bioeconomy Strategy 2025“ und dem geplanten „Circular Economy Act 2026“ setzt Brüssel verstärkt auf klare Kennzeichnungen und nachhaltige Rohstoffquellen, um biobasierte Innovationen marktfähig zu machen.

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Solar-Recycling: Wasserstoff aus Plastikmüll und Batteriesäure

Forscher der Universität Cambridge haben einen solarbetriebenen Reaktor entwickelt, der schwer recycelbare Kunststoffe wie Nylon oder Polyurethan-Schaum mithilfe alter Autobatteriesäure aufspaltet. Mittels Photoreforming entstehen daraus sauberer Wasserstoff und wertvolle Essigsäure. Das Verfahren ist kostengünstiger als bisherige Methoden und nutzt Ressourcen, die bislang unter hohem Aufwand neutralisiert werden mussten. Die Technologie soll nun kommerzialisiert werden.

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EU plant Skalierung der Algen- und Muschelzucht

Eine neue Studie der Europäischen Exekutivagentur für Klima, Infrastruktur und Umwelt (CINEA) zeigt Wege auf, wie die Kultivierung von Algen und Schalentieren in der EU massiv ausgebaut werden kann. Diese marinen Ressourcen gelten als Schlüsselelemente für die Net-Zero-Strategie, da sie CO₂ binden und ohne Süßwasser oder Düngemittel hochwertige Biopolymere für die Industrie liefern. Die Studie identifiziert regulatorische Barrieren und empfiehlt gezielte Investitionen in Bioraffinerien, um den Übergang von der Nischenproduktion zur großindustriellen Nutzung von Biomasse zu beschleunigen. Damit soll die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen und landbasierten Agrarimporten weiter reduziert werden.

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Veranstaltung:

Bioeconomy Conference 2026 – 17. & 18. Juni in Berlin

Die Skalierung nachhaltiger Technologien entscheidet über die Zukunftsfähigkeit des Industriestandorts Europa. Dennoch verzögern regulatorische Rahmenbedingungen den Markthochlauf häufig eher, als dass sie ihn fördern, wie eine Studie der Renewable Carbon Initiative (RCI) belegt. Im Rahmen der Bioeconomy Conference am 18. Juni in Berlin wird dieses Spannungsfeld intensiv analysiert. Christopher vom Berg, Executive Manager der RCI und Mitautor der Studie, referiert im Themenblock „From Strategy to Market“ zu den oft restriktiven Auswirkungen regulatorischer Vorgaben, die innovative Produkte faktisch vom Markt ausschließen können, und erörtert die Notwendigkeit eines „Level Playing Field“ für erneuerbare Kohlenstoffquellen.

Das Programm führt die entscheidenden Akteure der Wertschöpfungskette zusammen, um strategische Lösungen zu erarbeiten: Jan Ceyssens von der Europäischen Kommission beleuchtet in einer Keynote die europäischen Vorgaben für eine wettbewerbsfähige Kreislaufwirtschaft, während Dr. Andréas Christian Täuber vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat die nationalen Ansätze vorstellt und im „Arena“-Format den direkten fachlichen Austausch mit dem Fachpublikum sucht. Die unternehmerische Perspektive und die damit verbundenen Herausforderungen bringt Christian Schiller (CEO & Gründer von CIRplus) in die Diskussion ein. Er zeigt auf, wie regulatorische Bedingungen die Vision einer industriellen Bioökonomie in der Praxis beeinflussen.

Über die politische Rahmensetzung hinaus widmet sich die Konferenz in den Themenblöcken „From Lab to Plant“ und „From Investment to Industrial Hub“ der technologischen und infrastrukturellen Umsetzung. Im Fokus stehen Roadmaps für das Scale-up biobasierter Technologien, die Implementierung von KI sowie der Erhalt und Ausbau von Produktionskapazitäten in Chemieparks.

Der diesjährige Konferenztitel „From Vision to Value“ ist mehr als ein Motto. Es ist der Anspruch, die industrielle Bioökonomie messbar wirksam zu machen – in Form von Produkten, Märkten, Jobs, CO₂-Effekten und Wettbewerbsfähigkeit. Sein Sie dabei und gestalten Sie die Transformation unserer Industrie aktiv mit!

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